Eisenbahn

(CB, kein Schreibanlass, einfach nur so) Heute schimpfen wir über die Eisenbahn. Unpünktlich. Unkomfortabel. Marode Bahnhöfe. Gleisbaustellen. Ausgefallene Züge. Defekte Klimaanlagen. Aber blicken wir zurück. Einst war die Eisenbahn das Rückgrat des nationalen und internationalen Gütertransportes und natürlich auch das wichtigste Verkehrsmittel aller Reisenden. Autos, Lastwagen und Flugzeuge gab es noch nicht. Aber die Eisenbahn. Und denken wir kurz an den „wilden Westen“ der USA – die Eroberung des Landes wäre ohne die Eisenbahn undenkbar.

Und trotz aller Schimpferei mag ich Eisenbahnen. Als ich noch ein kleiner Junge war, bekam ich zu Weihnachten die obligatorische elektrische Modelleisenbahn geschenkt, mit der ich stundenlang spielen konnte. Und ich erinnere mich daran, dass mein Vater das ein oder andere Mal mit mir nach Wuppertal-Elberfeld fuhr, um mir am Hauptbahnhof Lokomotiven und Züge zu zeigen. Ja, damals fuhren noch Dampflokomotiven und ich lernte, die Typen zu unterscheiden – wohlgemerkt als kleiner Dotz. Ich kannte sie alle: die „01“, die „03“, die „44“, die „50“, die „52“ und viele mehr. Aber ich kannte auch die immer mehr werdenden Diesellokomotiven der Baureihen V100 (später BR 212) und V200 (später BR 220). Eine V100 eines bekannten Modellbahnherstellers zog auch meine kleinen Modell-D-Züge oder Modell-Güterzüge…

Ich erinnere mich auch recht gut daran, dass ich als kleiner Junge immer dann, wenn wir zu Besuch bei Verwandten in Niedersachsen waren, auf dem Schreibtisch meiner Tante am Fenster gesessen habe und auf den benachbarten Bahnübergang geschaut habe. Als Kind war ich fasziniert davon, wie oft sich die Schranken mit dem typischen „Pling-Pling“ der Signalglocke schlossen und ich wusste, dass gerade der Schrankenwärter in seinem Häuschen die großen Kurbeln drehte… Und dann rauschte der Zug „durch“ – noch oft gezogen oder geschoben von einer Dampflokomotive. Den Geruch habe ich heute noch in der Nase und – wenn ich mit meinem Sohn durch das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen gehe – erinnern mich die ausgestellten Maschinen daran. Sie riechen immer noch nach Dampflok…

Als Jugendlicher erlebte ich dann recht bewusst die Ära der InterCity-Züge und – gemeinsam mit meiner Schwester – durfte ich so manches Mal damit zu Verwandten nach Niedersachsen fahren. Die IC-Lokomotive der 1970er und 1980er Jahre waren die Maschinen der BR 103, irgendwann kamen dann auch die Maschinen der BR 120 hinzu. Selbstverständlich fuhr auch auf meiner kleinen Modellbahn ein IC – gezogen von einer BR 103 (oder einer BR 120) mit rot/beigen Wagen der 1. Klasse, einem Speisewagen und den ozeanblau/beigen Wagen der 2. Klasse. Ich würde rückblickend aus meiner Jugendzeit behaupten, dass der IC-Verkehr und vor allem die Lokomotiven der BR 103 DAS Aushängeschild der Deutschen Bundesbahn schlechthin waren. Ich glaube schon, dass es damals in den 1970er/1980er Jahren etwas besonderes war, wenn der Zugführer durchsagte, dass nun die maximale Reisegeschwindigkeit von 200 km/h erreicht war. Heute fährt fast jedes Auto 200 km/h und schneller – bloß, wo und wann kann man so schnell fahren…

Ausbildungsbedingt rückte meine Modellbahn aus dem Fokus und ich verlor – vorübergehend – das Interesse an der Eisenbahn. Fahrten mit der Eisenbahn wurden zum notwendigen Übel…

Doch eines Tages passierte etwas. Aus einem völlig unerklärlichen Grund betrat ich ein Wuppertaler Spielwarengeschäft und es zog mich direkt in die Modellbahnabteilung. Nach einem ausführlichen Rundgang und einem ebenso ausführlichen Erinnern kaufte ich eine Startpackung eines bekannten Modellbahnherstellers in Spurweite N. Das bedeutete einen kompletten Systemumstieg, die H0-Sammlung aus Kinder- und Jugendtagen wurde verkauft und der Erlös in Spur N-Fahrzeugmaterial investiert. Inzwischen baue ich mit meinem Sohn an einer größeren Modellbahn-Anlage – natürlich in Spur N und natürlich inzwischen digital…

Und ich habe gemerkt, dass sich meine beiden Interessen – Eisenbahn und Fotografie – ganz gut miteinander kombinieren lassen. Ich habe neulich an den Gleisen des Schwelmer Bahnhofs gestanden und die vorbeifahrenden Züge fotografiert. Und mit meinem Sohn bin ich zum Fotografieren zum Wuppertaler Hauptbahnhof nach Elberfeld gefahren. Der Kreis schließt sich wieder.