UPDATE: Mit dem Smartphone…

(CB) …wird nicht ernsthaft fotografiert! So lautet – mal wieder – eine der fotografischen Grundregeln konservativer Hobby-Fotografen. Aber wie das so mit diesen ganzen merkwürdigen Grundregeln ist: ich hab‘ die Dinger ja nicht gemacht und warum sollte ich mich also daran halten ?

Na, logisch – wer sich nicht an die fotografischen Grundregeln hält, macht automatisch schlechte Bilder. Bilder, die keiner sehen will und die nicht würdig sind, darüber ernsthaft zu sprechen. Ein Blick in die EXIF-Daten, ein Blick auf das Kameramodell – und wenn dort kein Spitzenmodell eines zulässigen Herstellers aufgeführt wird, ist das ganze Bild unumgänglich und sofort fotografischer Müll.

Doch – ist das wirklich so ? Ich muss zugeben, dass ich in diesem Sommer mehr Bilder mit dem Smartphone gemacht habe, als mit meinen Kameras. Und das hat gleich mehrere Gründe. Einer ist ganz sicherlich, dass ich eine ganze Reihe meiner Bilder möglichst direkt auf meinem Kanal eines sozialen Mediums posten wollte – und da ist mir der Weg über das Notebook, die Bildbearbeitung und dann auf den tragbaren Vielfachfunktionsfernsprechapparat einfach zu umständlich. Und ein Programm – eine App – zur Bildbearbeitung ist auf dem Smartphone auch vorhanden. Zudem: wer vergrößert diese Art der Bilder und wer druckt sie jemals aus ?
Der andere Grund ist, dass es mir in vielen Fällen zu blöd war, eine „dicke“ Kamera ggf. mit Ausrüstung mitzuschleppen. Das Smartphone ist klein, leicht und sowieso immer dabei. Mit Kamera und Ausrüstung bin ich ganz gezielt losgezogen.
Und als dritten Grund möchte ich einfach anführen, dass das Fotografieren mit einem Smartphone nahezu zu 100% unauffällig ist. Es ist so normal geworden, dass überall – selbst im dichtesten Menschengedränge – ständig irgendjemand mit dem Smartphone fotografiert. Besonders unauffällig scheint es zu sein, wenn man so tut, als mache man ein Selfie… Wer dagegen an belebten Orten mit einer „richtigen“ Kamera – möglichst noch mit einem (Semi-)Profimodell und lichtstarker Optik – fotografiert, wird schon eher „schräg“ angesehen und gelegentlich auch angesprochen. Wer weiß, vielleicht würden die Meister der Street-Fotografie heute ja auch ein Smartphone nutzen, um möglichst authentische Bilder möglichst unauffällig zu machen ?

Die Qualität…

…der mit dem Smartphone aufgenommenen Bilder ist nicht schlecht. Und mein Smartphone ist schon ein paar Jährchen auf dem Markt. Die Sensorauflösung beträgt immerhin 12 Megapixel oder als Kanten angegeben 4.000 Pixel mal 3.000 Pixel. Das ist übrigens die gleiche Auflösung, die eine – inzwischen leider defekte – Kompaktkamera hatte. Ok, was die Nutzung des digitalen Zooms angeht, gibt es Einschränkungen – aber die kann man ja durch das „Turnschuh-Zoom“ ausgleichen.
Ach so, natürlich, der ambitionierte Hobby-Fotograf fotografiert selbstverständlich ausschließlich im RAW-Format und das kann das Smartphone nicht. Wirklich nicht ? Nun ja, noch ältere Modelle vielleicht nicht, aber ich habe tatsächlich entdeckt, dass ich ein RAW-Format aktivieren kann – und damit kann ich die Bilder später ja doch noch in einer „richtigen“ Bildbearbeitung anständig bearbeiten.

Zum Einstieg…

…in die Fotografie ist ein Smartphone natürlich auch ideal. Die meisten Mitmenschen dürften heute ein Smartphone besitzen – eine Kamera(ausrüstung) dagegen nicht unbedingt. Was liegt also näher, als mit dem vorhandenen Smartphone in die Welt der Fotografie einzusteigen ? Dieses Vorgehen birgt nicht das Risiko, bei Nichtgefallen auf teurem Equipment zu sitzen und dieses im Schrank verstauben zu lassen. Nein, vielmehr bietet es die einfache Möglichkeit, sich mit dem fotografischen „Sehen“, der Motiverkennung und dem „in Szene setzen“ von Motiven auseinanderzusetzen. Denn egal, ob mit einer Kamera oder einem Smartphone: das Prinzip des fotografischen „Sehens“ und dem „Sehen“ von Motiven (und Gelegenheiten) ist bei beiden gleich. Und da man ja als Einsteiger den „fotografischen Grundregeln“ nicht aus dem Weg gehen kann: auch diese gelten sowohl für Kameras als auch für Smartphones. Das mag der ein oder die andere jetzt nicht so gerne hören bzw. lesen, aber ja, die „Regeln“ der Bildgestaltung sind so universell, dass sie eben auch bei der Smartphone-Fotografie uneingeschränkt anwendbar sind.
Wenn ich also gefragt werde, mit welcher Kamera man am besten in die Welt der Fotografie einsteigen sollte, antworte ich fast immer „Mit dem Smartphone.“ – verbunden mit der Empfehlung, einfach auszuprobieren und zu machen. Eine „richtige“ Kamera kann man sich auch später noch kaufen.
Nicht umsonst gibt es übrigens zahlreiche Bücher, Online- und Videotutorials zur Fotografie mit dem Smartphone und nicht umsonst (im wahrsten Sinne des Wortes) gibt es eine Unmenge von Zubehör für die Smartphone-Fotografie. Mir reicht dafür übrigens ein ganz kleines Stativ und eine kleine Smartphone-Halterung mit Stativgewinde…
Die aufgenommenen Bilder können dann in der Bildbearbeitungs-App gleich auf dem Smartphone bearbeitet werden. Und mit den Social-Media-Apps gleich auf den entsprechenden Kanälen veröffentlicht werden. Und und und…

Was tun ?

Mit dem Smartphone fotografieren und sich über die Bilder freuen. Ausprobieren, der eigenen Intuition vertrauen und die eigene Kreativität einfach ausleben. Die Bilder ruhig anderen zeigen. Darüber sprechen. Muss ja nicht gleich im großen Kreis sein. Und wenn sich einer darüber auslässt, dass man mit dem Smartphone ja nicht „richtig“ fotografieren kann – who cares ?

UPDATE

Hoppla! Der Smartphone-Fotografie wird nun plötzlich von professioneller Seite ein deutliches „Veröffentlichungs-Potential“ zugestanden. Ich bin beeindruckt von einer Kehrtwende um 180°…

UPDATE II

Hat wohl doch zu viel Arbeit gemacht. Die Profis haben die Smartphone-Fotografie glatt wieder eingestellt. Es ist also die „alte Ordnung“ wieder hergestellt.